Im Juli hat der Kleingarten seinen eigenen Rhythmus
Die Sonne meint es gut – manchmal ein bisschen zu gut – und die Zucchini haben beschlossen, über Nacht die Weltherrschaft zu übernehmen. „Nur mal kurz nachsehen“, denkt man sich, und steht plötzlich mit einem Korb da, der aussieht, als hätte man einen halben Wochenmarkt geplündert.
Ernten ist jetzt keine Aufgabe mehr, sondern ein Abenteuer. Tomaten verstecken sich hinter Blättern wie kleine rote Überraschungen, die Gurken tun so, als wären sie gestern noch nicht da gewesen, und die Bohnen wachsen gefühlt schneller, als man „Gießkanne“ sagen kann. Man erntet, nascht, erntet weiter – und fragt sich zwischendurch, ob man eigentlich noch genug Freunde hat, um all das zu verschenken.
Doch irgendwann, wenn der Korb voll ist und die Hände nach Erde und Sommer riechen, passiert etwas Wunderbares: Man setzt sich. Einfach so. Auf die alte Bank, in den Schatten, vielleicht mit einem kühlen Getränk in der Hand. Die Hektik bleibt zwischen den Beeten zurück, und plötzlich ist da nur noch das Summen der Bienen, das Rascheln der Blätter und dieses zufriedene Gefühl: Heute reicht es.
Genießen ist im Kleingarten nämlich keine große Kunst. Es ist das Stück Tomate direkt vom Strauch, warm von der Sonne. Es ist das leise Knacken einer frisch gepflückten Gurke. Und es ist die Erkenntnis, dass man nicht alles sofort machen muss – außer vielleicht noch ein bisschen gießen. Aber das kann auch bis morgen warten.
So wird aus einem vollen Erntetag ein stiller Sommerabend. Und während die Zucchini im Beet schon den nächsten Überraschungsangriff planen, lehnt man sich zurück und denkt: Genau so darf sich der Sommer anfühlen.
